80 Jahre nach der Reichspogromnacht – Die Geschichte der Juden

Am 13. Februar 2019 fand im Rahmen des monatlichen Treffens der „Initiative Beckum 55+“ ein Vortrag anläßlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 statt. Der Vortrag behandelt die Geschichte der Juden in Beckum. gibt aber auch einen ganz kurzen Überblick über die Geschichte der Juden bzw. der Israeliten von der Antike bis zur Gründung des Staates Israel 1948.

Die Geschichte der Juden in Beckum ist in einem Buch von Hugo Krick geschildert. Er war ein Beckumer Humanist und hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, eine Verbindung zu den in aller Welt verstreuten, ehemaligen Beckumer Juden herzustellen und das Andenken an die jüdische Gemeinde in Beckum aufrecht zu erhalten. Die Familie Krick hatte jüdische Nachbarn und Hugo Krick hat als Jugendlicher die Progromnacht direkt miterlebt.

Der früheste Nachweis jüdischer Einwohner in Beckum stammt aus dem Jahr 1343. Im Rahmen der Pestpogrome des Jahres 1350 wurden wahrscheinlich auch hier, wie im übrigen Westfalen, die Juden vertrieben.

Nach dem Tod des Fürstbischofs Franz von Waldeck am 27. Juni 1553, der eine judenfreundliche Politik verfolgt hatte, verschlechterte sich die Situation für die Juden allerdings dramatisch, es kam zu Verhaftungen und Beschlagnahmungen. Auch die Beckumer Juden waren hiervon betroffen.

Seit 1676 ist eine kontinuierliche Ansiedlung von Juden in Beckum durch Steuerlisten belegt. Bis 1720 waren konstant drei jüdische Familien in der Stadt wohnhaft, 1784 war ihre Zahl auf neun gestiegen. Im Jahre 1740 beschlossen die sechs damals in Beckum wohnhaften Familien ein eigenes Gemeindehaus und ein Bethaus an der Nordstraße zu errichten. Die eigentliche Gründung der Gemeinde kann mit der Vollendung des ersten Gotteshauses auf das Jahr 1743 datiert werden.

Durch das preußische Judenedikt von 1812, das in Beckum erst 1821 nach Ende der französischen Besatzung in Kraft trat, wurde die jüdische Bevölkerung rechtlich allen anderen gleichgestellt. Die jüdische Gemeinde konnte sich nun frei entwickeln. Durch den Beitritt der Juden aus Herzfeld, Liesborn und Lippborg stieg ihre Mitgliederzahl von 73 im Jahr 1835 auf 100 an. Die höchste Mitgliederzahl von 111 wurde 1925 erreicht. 1865 begann der Neubau eines Gemeindehauses mit Schule und separater Synagoge. Am 12./13. Juli 1867 fand die feierliche Einweihung der Gebäude statt, die nach Abbruch der alten am selben Platz errichtet worden waren.

Ein jüdischer Friedhof am Ostwall wird erstmals 1690 erwähnt. Ein Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung, die ehemalige Doppelwallanlage, wurde für Beisetzungen genutzt. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1758, 1886 bis 1893 wurde die Begräbnisstätte durch Grundstückankäufe erweitert. Die letzte Beerdigung erfolgte wahrscheinlich 1937. Seit dem 8. Juli 1985 ist der jüdische Friedhof in der Denkmalliste der Stadt Beckum verzeichnet.

Bis ca. 1900 haben die jüdischen Familien in Beckum offenbar ein friedliches und erfolgreiches Leben geführt. Jedoch nach dem für Deutschland unglücklich ausgegangenen 1. Weltkrieg flammte der schon fast vergessene Judenhass wieder auf. Man suchte einen Schuldigen und fand diesen in der jüdischen Minderheit. Dadurch verschlechterte sich auch in Beckum die Lage der jüdischen Gemeinschaft.

Im Jahr der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 lebten etwa 100 Juden in Beckum. Die antijüdischen Maßnahmen der NS-Machthaber führten zu einer massiven Aus- und Abwanderung von Juden aus Beckum. Bis zum Februar 1938 war die Gemeinde auf 24 Mitglieder zusammengeschmolzen.

In der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurden zahlreiche jüdische Einrichtungen, insbesondere Synagoge, Schule und Lehrerwohnung, verwüstet. Mehrere Juden wurden schwer misshandelt, der 81-Jährige Alex Falk erlag in derselben Nacht seinen Verletzungen. Am Morgen des 10. November zwang man das Gemeindemitglied Erich Stein die hebräischen Schriftzeichen über der Eingangstür der Synagoge wegzuschlagen, die übersetzt lauteten: Mein Haus soll ein Bethaus sein für alle Völker.

Einige Juden konnten nach diesen Ereignissen noch ins Ausland fliehen, die Zurückgebliebenen wurden in die Städte Münster, Dortmund und Essen verbracht und von dort zumeist in Konzentrationslager deportiert. Mit dem Abtransport der beiden letzten Juden, dem Ehepaar Louis und Therese Rose, nach Theresienstadt am 31. Juli 1942 war das jüdische Leben in Beckum erloschen. Nach Nutzung als Parteibüro und Behördendienststelle wurde die Synagoge 1967 abgerissen.

Die Stadt Beckum hat sich in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein immer wieder bemüht, der Opfer aus der NS-Zeit zu gedenken.

1974 fasste der Rat der Stadt den Beschluss ein Mahnmal für die Opfer der jüdischen Gemeinde in Beckum zu errichten. Am 9. November 1975, dem 37. Jahrestag der Pogromnacht, fand die feierliche Einweihung des aus vier unterschiedlich großen grünen Dolomitsteinen bestehenden Mahnmals in den städtischen Anlagen am Westtor statt . Der vordere Stein trägt auf einer Bronzeplatte ein Zitat aus den Klageliedern: Kommt, Ihr alle, die Ihr vorübergeht, schauet und seht, ob ein Schmerz sei wie der Schmerz, der mir angetan worden… Die Gestaltung wurde dem Bildhauer Heinrich Gerhard Bücker übertragen.

Im Rahmen des Projekts „Stolpersteine“ verlegte der Künstler Gunter Demnig am 13. März 2007 und am 5. Juni 2008 in der Stadt insgesamt 32 Steine. Sie sollen die Erinnerung an die zumeist jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Beckum lebendig erhalten. Die Stolpersteine waren Gedenktafeln aus Messing die ins Trottoir eingelassen wurden mit den jeweiligen Namen der Juden die dort gewohnt hatten. Sie wurden auch in über 300 weiteren Städten in Deutschland, Österreich, Ungarn und den Niederlanden verlegt.

1988, am 50. Jahrestag der Novemberpogrome, wurde im Rahmen einer Gedenkstunde am Standort der ehemaligen Synagoge eine von Heinrich Gerhard Bücker gestaltete Bronzetafel angebracht. Sie trägt den bis 1938 auch über der Tür des Gemeindehauses stehenden Schriftzug: Mein Haus soll ein Bethaus sein für alle Völker.

Auch 2013 fand anlässlich 75. Jahrestages eine Feierstunde statt – organisiert von den Schülern und Lehrern der Realschule und Sekundarschule Beckum – um der Familien zu gedenken die damals vertrieben, umgebracht oder in Konzentrationslagern ermordet wurden Als Sinnbild für die Markierung sowie Zerstörung jüdischer Geschäfte während und nach der Pogromnacht klebten die Schüler kleine Davidsterne mit den Namen der Familien auf eine Schaufensterscheibe der Buchhandlung.

Am 11. November 2017 wurde an der gleichen Stelle wo bis dahin die Bronzetafel von 2013 angebracht war eine Stele aufgestellt um Passanten auf die Bedeutung dieses Ortes hinzuweisen.  Es zeigt auf einer Stele das ehemalige jüdische Gemeinhaus mit der dahinterliegenden Synagoge und wurde von dem Künstler Paul Tönnißen geschaffen.

2018 zum 80. Jahrestag der Progromnacht fand im Dormitorium auf Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins Beckum ein hochkarätiger Vortrag von „Prof. Dr. Rüdiger Robert“ mit dem Thema „70 Jahre Israel“ statt

Antisemitismus

Der Hass der Antisemiten auf alles Jüdische mag zwar nach Rechtfertigung im Realen suchen, im Leid der Araber in Gaza etwa. Aber er hat sich dabei von der Realität längst gelöst. Der Soziologe Theodor W. Adorno, Begründer der Frankfurter Schule, hat das Phänomen einst lakonisch so beschrieben: „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“  Gerüchte haben bekanntlich ein langes Leben!

Antisemitismus begann nicht erst mit der Nazi-Ära. Er wurzelt in vorbiblischer Zeit und zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch die Geschichte. Was als religiöser Konflikt begann, hat eine erschreckende Eigendynamik bekommen.

Der Grund für den religiösen Konflikt in der Antike beruhte zum großen Teil darauf dass die Großreiche des Alten Orients, wie Altes Ägypten, Babylonien, Persien oder das Römische Reich oft versuchten  den Völkern eroberter Gebiete ihre Götter und Kultur aufzuzwingen. Ihre Religionspolitik war meist mit einem Staatskult verbunden, der ein Gottkönigtum beinhaltete, um die unterworfenen Völker ihrer Zentralgewalt zu unterwerfen und zu vereinheitlichen. Dabei gestattete ihnen der verbreitete Polytheismus, andere Götter in das eigene Pantheon aufzunehmen. So konnten die eroberten Völker ihre Götter unter neuen Namen weiter verehren.

Die Israeliten glaubten jedoch seit ihrer vorstaatlichen Zeit (um 1200 bis 1000 v. Chr.) nur an einen Gott, an „Jahwe“. Sie verweigerten sich zunehmend der polytheistischen Umwelt, lehnten Gottkönigskulte ab und stellten damit die Wertorientierung und politische Einheit der jeweils herrschenden Großreiche in Frage.

Martin Luther schrieb 1545 das Pamphlet „Von den Juden und ihren Lügen“. Manche Gelehrte bezeichnen heute Luthers Werk als Marke vom Übergang vom Anti-Judaismus – den Attacken auf Juden, weil sie das Christentum nicht akzeptieren – hin zum Anti-Semitismus, den Hass auf Juden als sogenannte Rasse. Andere unterstellten „den Juden“ eine Verschwörung zur Übernahme der Weltherrschaft.

Als „Antijudaismus“ wird eine religiöse Judenfeindschaft bezeichnet, die im Christentum mit spezifisch theologischen Motiven begründet wurde:

  • Die Anklage des „Gottesmords“ gibt den Juden eine Kollektivschuld am Tod Jesu Christi. Daraus abgeleitet oder damit verwandt waren christliche Ritualmordlegenden und Stereotype wie der „Hostienfrevel“. (Als Hostienfrevel oder Hostienschändung bezeichnete die römisch-katholische Kirche zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert den angeblichen Missbrauch von konsekrierten Hostien.) Den Beschuldigten, meist Juden, manchmal auch der Hexerei bezichtigte Personen, wurde unterstellt, sich geweihte Hostien beschafft und diese zerschnitten oder anderweitig geschändet zu haben, um die Marter Jesu Christi bei der Kreuzigung zum Hohn nachzuvollziehen.
  • Die Substitutionstheologie behauptet, die Juden hätten durch die Ablehnung Jesu Christi ihre Erwählung zum Volk Gottes verloren und stünden unter einem fortwirkenden Fluch Gottes, während die Kirche ihre Erwählung „geerbt“ habe, so dass nur noch zu Christen getaufte Juden das Heil erlangen könnten.
  • Adolf Hitler nützt das alte Feindbild des Juden bei seinem Aufstieg zur Macht im krisengebeutelten Deutschland der 1920er und 1930er Jahre. Der Holocaust markiert den traurigen Höhepunkt dieser jahrtausendelangen Entwicklung. Seit damals hat der Antisemitismus sich weiter gewandelt – dabei geht es nicht mehr (nur) um Juden, sondern auch um Israel als jüdischen Staat.

Im Unterschied zu allgemeiner Fremdenfeindlichkeit wird Judenfeindlichkeit mit angeblich unveränderlichen Eigenschaften von Juden begründet. Juden sollten  „Feinde der Menschheit“ (Antike), „Gottesmörder“, „Brunnenvergifter“, „Ritualmörder“, „Wucherer“ (Mittelalter und frühe Neuzeit), „Parasiten“, „Ausbeuter“, „Verschwörer“ und heimliche „Weltherrscher“ (etwa ab 1789) immer die angeblichen Verursacher aller möglichen negativen Fehlentwicklungen und menschengemachten Katastrophen sein.

Geschichte Israels

Als Geschichte Israels oder Geschichte des Volkes Israel bezeichnet man die Geschichte der Israeliten und des Judentums – als Volk und als Religion – von seinen Anfängen etwa 1500 v. Chr. im Alten Orient und seiner Ansiedlung in Kanaan bis zur Eroberung durch die Römer  im Jahr 70 n. Chr.  Da es immer wieder zu  jüdischen Aufständen gegen die römischen Besatzer kam wurde es 135 n. Chr den Juden untersagt, sich in Jerusalem anzusiedeln. Außerdem wurde die Provinz Judäa in Syria Palaestina umbenannt. Das war der Beginn der Auswanderung der Juden in alle Welt. Die meisten Juden siedelten sich außerhalb Palästinas an, aber ihre tiefe Verbundenheit zum biblisch gelobten Land und vor allem ihre Zionssehnsucht blieben bestehen. Das jüdische Volk hat sich über 2000 Jahre hinweg als ein solches begriffen und wurde auch von außen als ein solches verstanden, obwohl ein jüdischer Staat bis 1948 nicht existierte.

Bereits in der Steinzeit und Bronzezeit lebten Menschen in der Levante. Dieses Gebiet an der Ostküste des Mittelmeers war immer Teil der Landbrücke von Afrika nach Eurasien. Auch rangen in diesem Grenzgebiet zwischen Ägypten und Mesopotamien die altorientalischen Großmächte um die Hegemonie, so dass sich dort kaum ein größerer unabhängiger Staat etablieren, geschweige denn länger behaupten konnte.

Für die frühgeschichtliche Zeit des Landstrichs westlich des Jordans ist der Tanach, die Hebräische Bibel, die meistbeachtete Quelle.. Die Entstehungszeit des Tanach ist etwa um 135 n.Chr. datiert. Das „Alte Testament“ hat den Tanach weitgehend übernommen. Seine Aussage kann aber nicht als historisch gesichert gelten.

Auch die Geschichte vom Auszug aus Ägypten ist historisch nicht nachweisbar. Die meisten Archäologen vermuten, dass es einen Auszug in dieser Größenordnung nie gegeben hat sondern allenfalls kleine Gruppen von Rückwanderern. Andere nehmen an, dass nie eine nennenswerte Auswanderung aus Ägypten stattgefunden hat.

Nach biblischen Erzählungen fanden bereits Ende des dritten Jahrtausends, Einwanderungen kanaanäischer nomadischer Gruppen nach Ägypten statt, die wohl wirtschaftlich motiviert waren. Dort wuchsen die Israeliten zu einem Volk zusammen. Sie erlangten möglicherweise hohe Stellunge und fügten sich vermutlich relativ problemlos in die ägyptische Gesellschaft ein. Wahrscheinlich unter Ramses II. verschlechterte sich die Lage, sie wurden zu Zwangs-und Feldarbeit gezwungen oder sogar versklavt. Das führte zum „Auszug aus Ägypten“ und die Israeliten kehrten der Erzählung zufolge unter Führung von Mose in das Land Kanaan zurück. Man bezeichnet diese Epoche auch als Landnahme Kanaans.

Es ist jedoch  keine israelitische Landnahme archäologisch nachgewiesen worden. Im Gegenteil: Die meisten Archäologen vermuten, dass die meisten Nomaden, die sich zu dem Volk Israel zusammenschlossen, bereits seit langem in Kanaan gelebt hatten und nur durch kleine Gruppen von Rückwanderern aus Ägypten, die möglicherweise von dort Jahwe als neuen Gott mitbrachten, verstärkt wurden. Erst mit dem Entstehen des Bundes der Zwölf Stämme  1200 – 1000 v. Chr. entwickelte sich in der Region Palästina das Selbstverständnis als das Volk Israel.

Die Ansiedelung israelitischer Volksstämme auf dem Gebiet des heutigen Staates Israel und den umgebenden Gebieten ist für die Zeit seit etwa 1250 v. Chr. bewiesen. Archäologischen Befunde ergaben, das in den Dörfern im Bergland westlich des Jordans keine Schweine gehalten wurden. Diese Besonderheit ist der erste archäologisch gesicherte Hinweis auf die Proto-Israeliten.

Als Alexander der Große ab 333 v. Chr. Kleinasien eroberte, wurde auch Palästina Teil seines Großreichs. Damit einher ging die Verbreitung von griechischer Bildung und Kultur – Hellenismus .

Nach der Eroberung durch die Römer und dem Siedlungsverbot folgt eine sehr wechselhafte Geschichte, da es natürlich ständig Kämpfe der altorienttalischen Großmächte gab und viele verschiedene Volksstämme dort lebten: unter anderem Aramäer, Samaritaner, Philister, Hebräer, Kanaanär. Es gab diverse Reiche, die aber immer wieder zerstört wurden und nie von längerem Bestand waren.

Palästina erlangte neue Bedeutung, als der römische Kaiser Konstantin I. das Christentum 313 n. Chr. zur religio licita (= gleichberechtigten Religion) erklärte. Seine Mutter Helena besuchte Jerusalem und Palästina, das Heilige Land der Christen, wurde gefördert, je stärker die Christianisierung des Römischen Reiches voranschritt.

Die Spätantike war für Palästina insgesamt eine Art „Goldenes Zeitalter“, geprägt durch Wohlstand, Sicherheit und eine kulturelle Blüte. Der größte Teil der Bevölkerung war um diese Zeit bereits christianisiert. 638  n. Chr. fielen muslimische Araber in Palästina ein und eroberten Jerusalem. Damit begann die Islamisierung und es gab von diesem Zeitpunkt an neben einer jüdischen und einer christlichen auch eine muslimische Präsenz in Palästina.

Ab 1516 wurden Ägypten, Syrien und Palästina nach einem Sieg der Türken für 400 Jahre in das Osmanische Reich eingegliedert. Das Land war in verschiedene Bezirke unterteilt. Den christlichen und jüdischen Gemeinden wurde ein großes Maß an Autonomie zugebilligt. Während des 16. Jahrhunderts erlebte Palästina eine erneute Blüte bis zum Abstieg des Osmanischen Reiches im 17. Jahrhundert

Am Anfang des 19. Jahrhunderts lebten zwischen 275.000 und 300.000 Menschen im Land. 90 % von ihnen waren muslimische Araber, 7.000 bis 10.000 Juden und 20.000 bis 30.000 christliche Araber.

Die Gründung des Staates Iarael

Die Klagemauer in Jerusalem

Die Geschichte des Staates Israel begann nicht erst mit seiner Gründung im Jahr 1948. Ihr gingen Bemühungen von Vordenkern des Zionismus über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren voraus, die eine Rückkehr von Juden in das Gelobte Land ermöglichen und später einen souveränen Nationalstaat mit eigenem Staatsgebiet für die Juden Europas schaffen wollte.

Mit der Balfour-Deklaration (benannt nach Arthur James Balfour, 1. Earl of Balfour – damals Außenminister)  vom 2. November 1917 sicherte die britische Regierung ihre Unterstützung für die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina zu, die auch von einer Reihe anderer Staaten gestützt wurde, aber nicht rechtskräftig war.

Dabei sollten die Rechte bestehender nicht-jüdischer Gemeinschaften gewahrt bleiben. Zum damaligen Zeitpunkt befand sich Palästina noch im Machtbereich der Osmanen. Die damalige britische Regierung unter Lloyd George versprach sich von der Zusage an die zionistische Bewegung Vorteile in der Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen während des Krieges und auch langfristige strategische Vorteile.

Erst als Großbritannien 1920 das Völkerbundmandat für Palästina erhielt, trat auch die in der Balfour-Erklärung formulierte Zusage der Unterstützung bei der Errichtung einer nationalen Heimstatt des jüdischen Volkes in Palästina de jure in Kraft.

1947, 30 Jahre nach der Balfour-Erklärung, beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Die Gründung eines palästinensischen Staates scheiterte jedoch an der Ablehnung der arabischen Seite. Am 14. Mai 1948 verkündete David Ben-Gurion die Unabhängigkeit des Staates Israel. Darauf reagierten die Araber mit Krieg. Sie versuchten das israelische Staatsgebiet militärisch zurückzuerobern. Ohne Erfolg. Sonderregelungen gelten für das Westjordanland und dem Gazastreifen, die gemeinsam die  „Palästinensischen Autonomiegebiete“ bilden und im inneren formal unter der Verwaltung der „Palästinensischen Autonomiebehörde“ stehen.

Seit 2007 wird der Gazastreifen durch die „Hamas“ kontrolliert, die von Israel und zahlreichen westlich orientierten Staaten als terroristische Vereinigung betrachtet.

Leider gibt es bisher keinen Frieden. In der gesamten Region kommt es immer wieder zu Kriegen und gegenseitigen Gewalthandlungen.

Zwei begründete Ansprüche

Die Juden begründen ihren Anspruch auf einen eigenen Staat mit dem Selbstbestimmungsrecht. Dieser Auffassung nach waren die Juden 135 nach Christus von den Römern aus ihrer historischen Heimat vertriebenen worden und warteten im Exil auf die Rückkehr..

Die Araber machen ebenso das Selbstbestimmungsrecht geltend, denn sie leben seit rund 1300 Jahren in Palästina. Der Zuzug von Juden lief damals auch der panarabischen Idee zuwider. Politiker wollten eine arabische Kulturnation aller Araber in einem gemeinsamen Nationalstaat schaffen, vom Atlantik bis zum Persischen Golf.

Die staatliche Souveränität Israels ist eine Tatsache. Der Konflikt zwischen Israelis und Arabern blieb ungelöst. Bis heute. Er ist nicht zuletzt eine Folge des europäischen Kolonialismus. Der koloniale Blick der Briten auf Palästina hat jene Konflikte provoziert, unter denen die Menschen der Region bis heute leiden.